Alarm um Welthandel

Houthis kappen eine der wichtigsten See-Routen der Welt

Reliefkarte der Bab al-Mandab-Straße zwischen Rotem Meer und Golf von Aden.
© Getty Images
Die Meerenge von Bab al-Mandab zählt zu den wichtigsten Schifffahrtsstraßen der Welt und verbindet das Rote Meer mit dem Indischen Ozean.
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Sanaa. Die jemenitische Houthi-Miliz hat nach Angaben eines örtlichen Regierungsvertreters in der Meerenge Bab al-Mandab strategisch wichtige Orte eingenommen und damit die Kontrolle über die wichtige Schifffahrtsstraße übernommen. Boote mit Houthi-Kämpfern hätten die auch unter dem Namen Perim bekannte Insel Mayyun erreicht, erklärte er am Freitag. Es wurde auch von der Einnahme des Küstenortes Dhubab berichtet, der gemeinsam mit der Insel als Schlüssel zur Meerenge gilt.

Bewaffnete Houthi-Kämpfer marschieren in Uniformen auf einer Straße in Sana'a, Jemen.
Houthi-Kämpfer marschieren während einer Kampagne zur Mobilisierung weiterer Kämpfer im Rahmen einer Offensive gegen saudi-unterstützte Regierungstruppen in Sanaa, Jemen, am 10. September 2026. Die Huthi-Streitkräfte des Jemen haben Militärangaben zufolge die strategisch wichtige Hafenstadt al-Mucha am Roten Meer eingenommen. Damit rücken ihre Kämpfer näher an die Kontrolle über die Bab-al-Mandab-Straße heran – eine entscheidende Schifffahrtsroute, die das Rote Meer mit dem Golf von Aden verbindet. © EPA

Die Meerenge von Bab al-Mandab zählt zu den wichtigsten Schifffahrtsstraßen der Welt und verbindet das Rote Meer mit dem Indischen Ozean. Seit der weitgehenden Blockade der Straße von Hormuz durch Teheran im Zuge des Iran-Kriegs hat Bab al-Mandab zusätzlich an Bedeutung gewonnen. Die Insel Perim teilt die Meerenge in zwei Schifffahrtsrouten.

Im Zuge der neuen Eskalation im Jemen sind UNO-Daten zufolge mehr als 46.000 Menschen in die Flucht getrieben worden. "Familien werden gezwungen, in diesem Konflikt zum zweiten oder dritten Mal zu fliehen, wobei ihnen fast nichts mehr geblieben ist", sagte die Chefin der Internationalen Organisation für Migration (IOM), Amy Pope, laut einer Mitteilung.

Schifffahrt in Bab al-Mandab kommt unter Druck

Mit dem Vormarsch der mit dem Iran verbündeten Houthi-Rebellen im Jemen nimmt nach Angaben des Datenanalyseunternehmens Kpler der Schiffsverkehr im Roten Meer leicht ab. Durchschnittlich 37 Schiffe passierten zuletzt demnach täglich die Meerenge Bab al-Mandab, im Vergleich zu knapp 47 Passagen Mitte Juli, wie aus Daten des Anbieters hervorgeht, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegen. Während etwa am 15. Juli 52 Schiffe durch die Meerenge an der südwestlichen Spitze der arabischen Halbinsel fuhren, waren es entsprechend der Kpler-Daten am Donnerstag lediglich 37.

Die mit dem Iran verbündete Houthi-Miliz im Jemen kontrolliert mittlerweile die gesamte Westküste des Landes. Damit haben die Huthi ihren Zugriff auf die Meerenge Bab al-Mandab, durch die eine der wichtigsten Schifffahrtsrouten der Welt führt, deutlich erhöht. Nach Angaben des Verbands Deutscher Reeder (VDR) wächst damit die Bedrohung "erheblich". Für Schiffe, die die Meerenge weiterhin passierten, steige das Risiko, hieß es in einer Mitteilung. Die Houthi hatten in der Vergangenheit mehrfach Schiffe in der Region angegriffen.

Karte der Bab al-Mandab-Straße mit Teilen von Dschibuti, Eritrea und Jemen.
Karte der Bab al-Mandab-Straße mit Teilen von Dschibuti, Eritrea und Jemen. © Getty Images

Auch Straße von Hormuz weiterhin unter Druck

Auch auf der gegenüberliegenden Seite der arabischen Halbinsel, in der Straße von Hormuz zwischen dem Oman und dem Iran, zeigen die Kpler-Daten, dass die Schifffahrt weiterhin unter Druck ist: Im 7-Tages-Mittel durchfuhren zuletzt 19 Schiffe täglich die Meerenge. Vor Ausbruch des Konflikts zwischen dem Iran und den USA waren es täglich über 100 Passagen.

Durch Drohungen und Angriffe hindert der Iran seit Ausbruch des Krieges Schiffe an der regulären Durchfahrt durch die Straße von Hormuz. Die USA halten iranische Frachter von der Passage mit einer Seeblockade ab.

Saudi-arabischer Angriff auf Hafenstadt Mokka

Unterdessen griff Saudi-Arabien laut Angaben der Houthis am Freitag die Hafenstadt Mokka an. Der "Feind" habe zwei Angriffe auf den Flughafen von Mokka gestartet, berichtete der Houthi-Fernsehsender al-Masirah. Die vom Iran unterstützten Houthis im Jemen hatten am Vortag die Kontrolle über die strategisch wichtige Stadt am Roten Meer übernommen. Saudi-Arabien unterstützt die Regierungstruppen im Jemen in ihrem Kampf gegen die Houthi-Miliz.

Die jemenitischen Streitkräfte kündigten Gegenangriffe an, um die von den Houthis eroberten Gebiete entlang der Küste des Roten Meeres zurückzugewinnen. Die international anerkannte Regierung werde Waffen und Flugzeuge einsetzen, um die Bewegungen der Rebellen in Schlüsselgebieten zu unterbinden, teilten die Streitkräfte mit. Dies betreffe unter anderem die Straße zur Küstenstadt Mokka, die die Houthis am Donnerstag zusammen mit den Hanish-Inseln im Roten Meer eingenommen hatten. Militärsprecher Oberst Majed al-Nasili rief die Zivilbevölkerung auf, die Verbindung zwischen den Städten Täiz und Mokka zu meiden. Die Kämpfe hatten sich in den vergangenen Tagen verschärft, da die Houthis sich verstärkt auf die Kontrolle der jemenitischen Küstenlinie konzentrierten.

Iran und Golfstaaten wollen über Straße von Hormuz sprechen

Der rasche Vormarsch der Houthis an der Küste wird Regierungs- und Geheimdienstkreisen zufolge direkt von den iranischen Revolutionsgarden gesteuert. Ziel sei es, eine neue Front im Konflikt mit den USA zu eröffnen. Der Iran habe den Houthis vergangene Woche befohlen, ihre Angriffe zu intensivieren, und dafür finanzielle Hilfe, Waffen und Berater zugesagt, sagten zwei iranische Insider. Teheran bestreitet jedoch eine militärische Einflussnahme. Angesichts der Lage bat der saudi-arabische Kronprinz Mohammed bin Salman US-Präsident Donald Trump am Donnerstag in zwei Telefonaten um amerikanische Luftschläge gegen die Houthis, wie das Portal "Axios" unter Berufung auf zwei US-Regierungsvertreter berichtete. Trump habe die Bitte jedoch abgelehnt. Die USA wollten ein direktes militärisches Eingreifen vermeiden, äußerten jedoch wachsende Sorgen über den eskalierenden Konflikt.

Der Iran und Staaten am Persischen Golf wollen an diesem Montag über die umkämpfte Straße von Hormuz sprechen. Ausgerichtet wird das Treffen im Oman, wie das iranische Außenministerium bestätigte. Teilnehmen sollen nach Informationen des Nachrichtenportals "Iran Nuances" die Außenminister aus dem Iran, Irak, Oman, Kuwait, Bahrain, Katar, den Vereinigten Arabischen Emiraten und Saudi-Arabien. Irans Außenminister Abbas Araqchi und sein omanischer Kollege Badr al-Busaidi werden dem Bericht zufolge die Regierungsvertreter über den Stand der Verhandlungen unterrichten. Beide Länder diskutieren seit Wochen bereits über einen Mechanismus, wie der Schiffsverkehr durch die Meerenge geregelt werden soll. Für die iranische Führung hatte sich die Straße von Hormuz im Konflikt mit den USA zu einem wichtigen Druckmittel entwickelt.

WFP warnt vor mehr Hunger durch Konflikte am Roten Meer

Das UNO-Welternährungsprogramm (WFP) fürchtet, dass der sich verschärfende Konflikte im Roten Meer noch mehr Menschen in den Hunger treibt. "Die Welt schaut auf die Straße von Hormuz", sagte der WFP-Direktor für Deutschland, Österreich und Liechtenstein, Martin Frick, der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. "Doch die aktuelle Eskalation rund um die Meerenge von Bab al-Mandab könnte die globalen Handels- und Versorgungslinien für Lebensmittel noch mehr strangulieren."

Die ersten Opfer wären Frick zufolge die Menschen im Jemen und in Somalia. Beide Länder importierten rund 90 Prozent ihrer Nahrungsmittel. Mit dem Schwarzen Meer, der Straße von Hormuz und Bab al-Mandab stünden inzwischen drei Schlagadern des Welthandels gleichzeitig praktisch still.

"Für ärmere Länder, die von Lebensmittelimporten abhängen, droht das dramatische Folgen zu haben", warnt Frick. Nach WFP-Schätzungen könnte bereits die Schließung der Straße von Hormuz dazu führen, dass zusätzliche 45 Millionen Menschen hungern, weil weniger Nahrung zur Verfügung steht und Preise steigen.

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