Sorgt für Verwirrung

Wandertafel-Zeitangaben: Darum stimmen sie gefühlt NIE!

Gelbe Wanderschilder vor grüner Berglandschaft und felsigen Alpen im Hintergrund.
© Getty Images/Westend61
Auf der gelben Wandertafel stehen 1:30 Stunden bis zur Hütte, Sie schaffen es aber in 50 Minuten? Oder brauchen plötzlich deutlich länger? Die Zeitangaben sind keineswegs zufällig. Dahinter steckt eine standardisierte Berechnung, die Strecke und Höhenmeter miteinander kombiniert.
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Wer regelmäßig wandert, kennt es: Die Zeit auf der Wandertafel und die eigene Gehzeit scheinen manchmal aus zwei verschiedenen Welten zu kommen. Während auf dem gelben Schild zwei Stunden bis zum Gipfel stehen, ist man schon nach 90 Minuten oben. Oder aus den angegebenen zwei Stunden werden plötzlich zweieinhalb. Tatsächlich gibt es für die Angaben auf den gelben Wanderwegweisern im alpinen Raum eine standardisierte Berechnung. Grundlage sind unter anderem die DIN 33466 sowie Richtlinien der Alpenvereine.

Mit diesen Geschwindigkeiten wird gerechnet

Für die Berechnung werden zunächst drei Richtwerte herangezogen:

  • 4 Kilometer pro Stunde auf horizontaler Strecke
  • 300 Höhenmeter pro Stunde beim Aufstieg
  • 500 Höhenmeter pro Stunde beim Abstieg

Das klingt zunächst ziemlich simpel. Bei einer Wanderung geht es aber meistens nicht nur geradeaus oder ausschließlich bergauf. Deshalb werden Strecke und Höhenmeter zunächst getrennt berechnet.

Und jetzt kommt die überraschende Rechenregel

Wegweiser mit Wanderzielen in den Bergen, klarer Himmel, Alpengipfel im Hintergrund.
Wegweiser mit Wanderzielen in den Bergen, klarer Himmel, Alpengipfel im Hintergrund. © Getty Images/Cavan Images RF

Nehmen wir eine Wanderung mit 8 Kilometern und 600 Höhenmetern bergauf. Zuerst wird berechnet, wie lange die Strecke auf ebener Fläche dauern würde: 8 km ÷ 4 km/h = 2 Stunden. Dann kommen die Höhenmeter: 600 hm ÷ 300 hm/h = 2 Stunden In diesem Fall ergeben beide Berechnungen jeweils zwei Stunden. Die kleinere Zeit wird halbiert und anschließend zur größeren addiert: 2 Stunden + 1 Stunde = 3 Stunden Gehzeit. Die angegebene Gehzeit wäre in diesem vereinfachten Beispiel also rund drei Stunden.

Warum wird die kleinere Zeit halbiert?

Der Grund ist ziemlich logisch: Beim Wandern legt man Strecke und Höhenmeter gleichzeitig zurück. Man kann also nicht einfach sagen: "Für die acht Kilometer brauche ich zwei Stunden und für die 600 Höhenmeter noch einmal zwei Stunden, macht vier Stunden." Während man bergauf geht, legt man schließlich gleichzeitig horizontale Strecke zurück. Deshalb wird der kleinere der beiden berechneten Zeitwerte halbiert und anschließend zum größeren addiert.

Beim Abstieg wird anders gerechnet

Auch bergab gilt der entsprechende Richtwert von 500 Höhenmetern pro Stunde. Bei einer Strecke von beispielsweise 10 Kilometern und 1.000 Höhenmetern bergab wären das: 10 km ÷ 4 = 2,5 Stunden. 1.000 hm ÷ 500 = 2 Stunden. Der kleinere Wert – zwei Stunden – wird halbiert: 2,5 Stunden + 1 Stunde = 3,5 Stunden. Die standardisierte Gehzeit läge damit bei etwa 3 Stunden und 30 Minuten.

Warum sind Sie trotzdem oft schneller, als die Tafel anzeigt?

Gelbe Wanderschilder und Verbotsschilder auf einem Bergpfad mit Gipfel im Hintergrund.
Wandern am Berg © Getty Images

Jetzt kommt der Grund, warum sich die Zeitangaben für viele Wander:innen so großzügig anfühlen: Die Berechnung basiert auf standardisierten Richtwerten und nicht auf Ihrer persönlichen Geschwindigkeit. Wer regelmäßig wandert, gut trainiert ist oder auf einfachen Wegen ein hohes Tempo geht, kann die angegebene Zeit deutlich unterschreiten.

Umgekehrt können Anfänger:innen, schweres Gepäck, schwierige Wegverhältnisse oder viele Pausen dazu führen, dass man länger braucht. Auch Wetter und Untergrund spielen eine große Rolle. Matsch, nasse Wurzeln, Geröll, Schnee oder Eis können aus einer vermeintlich einfachen Strecke schnell eine deutlich langsamere Tour machen.

Die Wandertafel ist also keine Stoppuhr

Die Zeit auf dem gelben Wegweiser soll vor allem eine einheitliche Orientierung ermöglichen. Sie sagt nicht voraus, wie lange Sie persönlich brauchen werden.

Wer die eigene Geschwindigkeit kennt, kann die Angaben also besser einordnen. Für die Tourenplanung sollte man trotzdem immer ausreichend Puffer einrechnen, besonders im Herbst und Winter, wenn es früher dunkel wird und die Bedingungen in höheren Lagen schnell wechseln können.

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