Wiener fordert Pfand

467 Tschick in 30 Minuten: SO dreckig ist Wien

© Facebook / Cristian Kantner
Fast 100.000 Zigarettenstummel hat Christian Kantner (43) bereits von Wiens Straßen aufgesammelt. Doch statt stolz auf seine Bilanz zu sein, ist der Umweltwissenschaftler erschüttert.
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Mit Kübel und Greifzange zieht Kantner regelmäßig durch die Wiener Donaustadt. Seit August 2021 sammelt er weggeworfene Zigarettenstummel – meist ein- bis zweimal pro Woche. Mittlerweile stehen 98.959 Stück auf seiner Liste. Die Marke von 100.000 ist damit zum Greifen nahe.

Hunderte Tschick in nur 30 Minuten

Wie groß das Problem ist, zeigt seine jüngste Sammelrunde: Bei seinem 259. Einsatz fand Kantner innerhalb von nur 30 Minuten gleich 467 Zigarettenstummel. Zusätzlich sammelte er 17 achtlos weggeworfene Nikotinbeutel ein.

Besonders häufig ist er rund um Kagran unterwegs, etwa am Langen Felde, in der Kraygasse oder beim Kagraner Platz. Nach jeder Runde zählt er seine Funde, dokumentiert sie und entsorgt sie im Restmüll.

Doch die beeindruckende Zahl sorgt bei ihm für wenig Freude. "Eine Zahl, die mich nicht stolz macht. Sondern traurig", schrieb der 43-Jährige zu seiner Bilanz. Für ihn zeigt jeder einzelne Stummel, wie selbstverständlich manche Menschen ihren Müll einfach auf der Straße zurücklassen.

Giftstoffe belasten die Umwelt

Das Problem ist nicht nur optischer Natur. Zigarettenfilter bestehen größtenteils aus Celluloseacetat, einem Kunststoff, der sich in der Umwelt nur langsam zersetzt. Dabei können kleine Kunststoffteilchen entstehen. Außerdem enthalten gebrauchte Stummel Rückstände wie Nikotin und Schwermetalle, die durch Regen ausgewaschen werden und in Böden sowie Gewässer gelangen können.

Als Umweltwissenschaftler und Ökotoxikologe beschäftigt sich Kantner besonders mit den möglichen Folgen solcher Stoffe für Lebewesen und Ökosysteme. Seit neun Jahren raucht er selbst nicht mehr. Schon während seiner Zeit als Raucher habe er seine Stummel allerdings nie auf den Boden geworfen.

Wiener fordert Pfand auf Tschick

Mit seiner Sammelaktion will Kantner nicht nur Müll beseitigen, sondern auch ein Umdenken anstoßen. Er spricht Passanten an und erklärt, welche Auswirkungen weggeworfene Filter haben können. Doch allein auf freiwillige Rücksichtnahme möchte er sich nicht verlassen.

Seine Forderung: ein EU-weites Pfandsystem für Zigarettenstummel. Beim Kauf von Zigaretten soll ein zusätzlicher Betrag eingehoben werden, den man bei der Rückgabe der gebrauchten Filter zurückbekommt. So könnte ein finanzieller Anreiz entstehen, die Stummel nicht einfach auf Gehsteige oder Grünflächen zu werfen.

Wie ein solches System konkret umgesetzt werden könnte, ist noch offen. Kantner will mit seiner Initiative jedenfalls weiter Druck machen.

Auch nach 100.000 hört er nicht auf

Den großen Meilenstein dürfte der Wiener bald erreichen. Ans Aufhören denkt er deshalb aber nicht. Er will weiterhin sammeln – auch nach der 100.000er-Marke.

Seine Botschaft ist klar: Umweltschutz beginnt direkt vor der eigenen Haustür. Und solange Zigarettenstummel massenhaft auf Straßen und Grünflächen landen, wird Kantner wohl weiter mit Kübel und Greifzange unterwegs sein.

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