Wenig Begeisterung

Fans wütend über San-Siro-Nachfolger

Modernes Stadion mit auffälliger Fassade vor schneebedeckten Bergen und Stadt im Hintergrund.
© X/ AC Milan
Seit Jahren versuchen Inter und AC Mailand ein neues Stadion zu bauen oder das San Siro zu modernisieren. Nun wurde ein erster Entwurf für den Nachfolger des ehrwürdigen Stadion präsentiert. Doch die Fans beider Lager sind darüber wenig begeistert.
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Das San Siro, oder Giuseppe-Meazza-Stadion genannt, ist schon in die Jahre gekommen. Seit längerem wird über die Zukunft des legendären Stadions diskutiert. Nun haben Inter und AC Mailand einen Entwurf präsentiert, der vor allem bei den Fans für viel Enttäuschung sorgt.

Im Castello Sforzesco wurde am Donnerstagabend das neue Generali Stadium präsentiert. Es soll ab der Saison 2031/32 das historische San Siro ersetzen und die neue Heimat von Inter und AC Mailand werden. Für den Entwurf ist das renommierte Londoner Architektenbüro Foster + Partners und das US-Studio Manica verantwortlich. Das Stadion soll Platz für 71.500 Menschen haben und rund 1,2 Milliarden kosten. Die Finanzierung wird von Eigentümer RedBird (AC) und Oaktree (Inter) übernommen. Die Namensrechtes sind schon jetzt an Italiens größten Versicherer Generali gegangen.

"Eine 70.000-Platz-Waschmaschine“

Die Pläne für ein neues Stadion stößt bei den Fans auf wenig Gegenliebe. Schon während der Präsentation von Foster und sein Partner David Manica protestierten Inter-Fans außerhalb des Castello Sforzesco mit Sprechchören "Hände weg vom San Siro" und einem Banner, mit der Aufschrift: "Ihr werdet die Lichter des San Siro niemals löschen", gegen das neue Stadion.

Online sind die Reaktion ähnlich. Ein Nutzer kommentiert: "Eine 70.000-Platz-Waschmaschine“ oder "Nettes Einkaufszentrum". Ein anderer schreibt: "Das sieht aus wie eine Heißluftfritteuse."

Ein weiterer Nutzer bringt den Ärger zu Punkt: "Es ist schlichtweg ein Skandal, ein legendäres Stadion wie das San Siro zu zerstören. Es ist Teil der Weltfußballgeschichte und muss erhalten bleiben!" Ein anderer trauert: "Was für ein absolut trauriger Tag für den Fußball."

Verglaste Spielertunnel und x-förmige Stahlstrukturen

Das neue Generali Stadium soll anders als das San Siro werden. Statt einer rechteckigen Form soll das neue Stadion oval werden. Die Außenfassade besteht aus x-förmigen Stahlstrukturen. Das Dach soll doppelt geschwungen werden. Innen sollen zwei besonders steile Tribünen hinter den Toren für die maximal mögliche Nähe zum Spielfeld sorgen. Laut Manica haben diese 37 Grad Neigung, ähnlich wie die Südtribüne im Signal-Iduna-Park.

Wie in den meisten modernen Stadien wird der Spielertunnel verglast sein. Damit können die Fans die Mannschaft vor dem Anpfiff zum Greifen nahe sein.

Markante Konstruktion, 280.000 Quadratmeter-Areal

Die Außenfassade wird von einer markanten Konstruktion aus kreuzförmigen Elementen geprägt. LED-Beleuchtung soll die Vereinsfarben von Inter und Milan darstellen können. Auf der Fassade sollen zudem Bilder und Projektionen möglich sein. Unter dem erhöhten Stadionpodest sind Parkplätze vorgesehen.

Auf dem 280.000 Quadratmeter großen Gelände rund um das Stadion sollen ein Einkaufszentrum, Büroflächen, ein Hotel, ein Park, ein Museum, ein medizinisches Zentrum und ein Fan-Shop entstehen. Im Hinblick auf die ökologische Nachhaltigkeit sollen die Grünflächen um die Arena auf 148.000 Quadratmeter vergrößert werden. Die Auswirkungen auf die Mailänder Wirtschaft werden auf rund 3 Milliarden Euro in der Bauphase und 2,7 Milliarden Euro jährlich in der Betriebsphase geschätzt.

Foster war unter anderem für das neue Wembley, den Berliner Reichstag und den Apple Park verantwortlich. Das Generali Stadium soll ab 2028 gebaut werden. Das San Siro muss dafür weichen und wird abgerissen.

NFL und Rugby soll ebenfalls ausgetragen werden

Mit der neuen Arena wollen die Verantwortlichen andere Events nach Mailand locken. Neben Konzerten sollen auch Spiele der NFL Europe und Rugby-Partien im Generali Stadium stattfinden. Zudem wird der San-Siro-Nachfolger für die EM 2032 in Italien und der Türkei eine sehr wichtige Rolle spielen. In der Arena könnte sogar das Endspiel steigen.

Das Generali Stadium beendet somit eine über 100-jährige Stadiongeschichte. Das San Siro wurde 1926 eröffnet und mehrfach modernisiert. Heute umfasst die legendäre Spielstätte 75.817 Plätze und ist das größte Stadion Italiens. Unter anderem wurden im San Siro Spiele der WM 1990 und EM 1980 ausgetragen. Zudem fanden dort auch zwei Champions-League-Finali statt. 2001 besiegte der FC Bayern München Valencia im Elfmeterschießen. Auch Real Madrid konnte 2016 gegen ihren Stadtrivalen Atlético vom Punkt aus den Titel holen.

Im San Siro wurde zudem österreichische Fußballgeschichte geschrieben. 1994 verlor der SV Austria Salzburg sein UEFA-Cup-Finale-Rückspiel gegen Inter Mailand mit 0:1 (Gesamtergebnis nach Hin- und Rückspiel: 0:2).

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