Filmfestspiele
Goldener Löwe für "Woman Unknown"
Zudem gewann die Hauptdarstellerin des Films, Mathilde Arcel, den Preis als beste Schauspielerin. Der Große Preis der Jury, ging an "Possible Love" von Lee Chang-dong. Der Dokumentarfilm "NAZA" von Yuval Abraham und Rachel Szor über die israelischen Luftangriffe im Gazastreifen gewann den Spezialpreis der Jury.
Auch interessant
Zum achten Mal in der Geschichte gewinnt eine Frau den Löwen
Die 49-jährige May el-Toukhy ist die erst achte Frau, die in der Geschichte der Filmfestspiele den Goldenen Löwen gewonnen hat. Im diesjährigen Wettbewerb waren von 21 Filmen nur zwei von Frauen, was die Jury-Präsidentin Maggie Gyllenhaal als strukturelles Problem beschrieben hatte.
Sie sei es leid, immer wieder über dieses Ungleichgewicht zu sprechen, werde es aber weiterhin tun, sagte Gyllenhaal nach der Preisverleihung am Samstagabend. Nun wolle sie aber "einfach nur einen brillant inszenierten Film würdigen, der auf mich wie ein Laserstrahl gewirkt hat".
Das Historiendrama "Woman Unknown" erzählt von der jungen Dänin Marie, die kurz nach dem Zweiten Weltkrieg vor der Hochzeit mit ihrem wohlhabenden Arbeitgeber steht. Ihr greifbar naher gesellschaftlicher Aufstieg wird jedoch durch ein Geheimnis bedroht: Während der Besatzungszeit hatte sie eine Affäre mit einem deutschen Soldaten. In der von Rache geprägten Nachkriegszeit setzt sie nun alles aufs Spiel, um ihre mühsam aufgebaute Existenz vor der Entlarvung zu schützen.
May el-Toukhy dankte der Jury-Präsidentin und widmete den Preis ihrer jugendlichen Tochter. "Mitgefühl, Gemeinschaft und Mut, mein Schatz", sagte sie an ihre Tochter gewandt. "Das sind die Dinge, die du brauchen wirst, um das zu vollenden, was wir und die Generationen vor uns begonnen haben. Leg dein verdammtes Handy weg. Schau dich um. Erhebe deine Stimme gegen Entmenschlichung. Erhebe deine Stimme für diejenigen, die im Stich gelassen und zum Schweigen gebracht wurden."
John Malkovich als bester Schauspieler geehrt
Der US-Amerikaner John Malkovich wurde als bester Schauspieler für den Film "Wild Horse Nine" ausgezeichnet. Der 72-Jährige spielt in der schwarzen Komödie "Wild Horse Nine" einen zynischen CIA-Agenten, der 1973 zusammen mit einem Kollegen nach Chile reist, kurz bevor sich dort das Militär an die Macht putscht. Malkovich bedankte sich in einer Videobotschaft und sagte, er habe wegen Dreharbeiten nicht anreisen können.
Israelische Filmemacher üben Kritik
Der Dokumentarfilm "NAZA" von Yuval Abraham und Rachel Szor über die israelischen Luftangriffe im Gazastreifen gewann den Spezialpreis der Jury. Die beiden israelischen Filmemacher kritisierten auf der Bühne nicht nur die israelische, sondern auch die italienische und die deutsche Regierung.
In "NAZA" berichten israelische Militärvertreter und Geheimdienstler anonym, wie die israelische Armee im Gazastreifen palästinensische Zivilisten tötete. Abraham und Szor waren auch an dem Dokumentarfilm "No Other Land" über den Konflikt zwischen Palästinenser und Israelis im Westjordanland beteiligt, der 2025 mit dem Oscar als bester Dokumentarfilm ausgezeichnet wurde. Die israelisch Armee wies die Darstellungen zurück.
Den Silbernen Löwen gewann der südkoreanische Regisseur Lee Chang Dong für seinen Film "Possible Love" über die Geschichte zweier Ehepaare aus unterschiedlichen sozialen Schichten.
Regiepreis für "Dau" mit Teodor Currentzis
Der aus Russland stammende Ilja Chrschanowski, der heute in Berlin und London lebt, bekam für sein experimentelles Filmprojekt "Dau" den Preis für die beste Regie. "Dau" handelt von einem Physiker, der in die Fänge des totalitären Sowjetsystems gerät und gegen seinen Willen am Bau der Atombombe mitwirken muss.
Der Film wurde von 2008 bis 2011 in Charkiw in der Ukraine gedreht. In der Hauptrolle ist der griechisch-russische Stardirigent Teodor Currentzis zu sehen, der sich von Russlands Krieg gegen die Ukraine nicht öffentlich distanziert hat. Diese und andere Punkte kritisierte das ukrainische Außenministerium jüngst in einer Stellungnahme zum Film.
Chrschanowski widmet Preis der ukrainischen Bevölkerung
Chrschanowski sagte auf der Bühne in Venedig: "Ich möchte diesen Preis Charkiw und den Ukrainern widmen, die in diesem schrecklichen Krieg für Freiheit, Frieden und den Sieg kämpfen. Ich glaube an sie."
Für das beste Drehbuch wurde Regisseur und Drehbuchautor Stéphane Brizé für "Un bon petit soldat" geehrt, gemeinsam mit Coralie Amédéo und Olivier Gorce.
Neben Cannes bedeutendste Filmfestspiele der Welt
Die 83. Filmfestspiele Venedig, die am 2. September begonnen hatten, zählen neben den Filmfestspielen in Cannes zu den bedeutendsten der Welt.
Zu Beginn und zur Halbzeit der 83. Auflage des Festivals in Venedig waren der US-Schauspieler und Filmemacher George Clooney sowie die US-Schauspielerin Ellen Burstyn mit dem Goldenen Löwen für ihr Lebenswerk geehrt worden. Auch Film-Stars wie Russell Crowe, Chiara Mastroianni und Robert Pattinson wurden durch das Festival an den Lido gelockt.
Im vergangenen Jahr war US-Regisseur Jim Jarmusch für seinen Film "Father Mother Sister Brother" über dysfunktionale Familien in Venedig mit dem Goldenen Löwen ausgezeichnet worden. Den Silbernen Löwen gewann 2025 Doku-Drama "The Voice of Hind Rajab" der Regisseurin Kaouther Ben Hania über den Krieg im Gazastreifen.
OE24 TV Live-Stream
OE24 TV Live-Stream
Fehler im Artikel gefunden?Jetzt melden