Im Süden von Sulawesi leben schätzungsweise rund eine Million Toraja. Ihr Umgang mit dem Tod unterscheidet sich grundlegend von dem, was in vielen anderen Kulturen üblich ist.
Nach dem Tod bleiben Angehörige teilweise noch jahrelang im eigenen Haus aufgebahrt. Die Verstorbenen werden dabei weiterhin wie lebende Familienmitglieder behandelt. Sie bekommen Nahrung und Getränke, ihr Äußeres wird gepflegt und sie erhalten regelmäßig frische Kleidung.
Teilweise stehen sogar eigene Toilettenschüsseln für die Toten bereit. Die Familie spricht mit ihnen, erzählt ihnen vom Alltag und versucht, sie weiterhin am Familienleben teilhaben zu lassen.
Für die Toraja schlafen die Toten
Hinter dem ungewöhnlichen Umgang steckt der traditionelle Glaube der Toraja, bekannt als "aluk todolo", also etwa "Der Weg der Vorfahren".
Demnach befinden sich die Verstorbenen zunächst in einem Zustand, der eher mit Schlaf als mit dem endgültigen Tod verbunden wird. Deshalb bleiben sie weiterhin eng mit ihren Familien verbunden.
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Auch wenn heute rund 80 Prozent der Toraja zum Christentum oder Islam gehören, haben sich Teile der traditionellen Rituale erhalten.
Die Beerdigung wird zum Mega-Fest
Die endgültige Verabschiedung kann allerdings lange auf sich warten lassen. Denn nach dem Glauben der Toraja kann die Seele erst nach einer großen Zeremonie endgültig zur Ruhe kommen.
Dieses Begräbnisritual trägt den Namen "Rambu Solo" und gilt als wichtigstes Fest im Leben der Toraja. Die mehrtägigen Feierlichkeiten können bis zu 50.000 Dollar kosten.
Viele Familien sparen deshalb über lange Zeit für die Bestattung. Ein zentraler Bestandteil sind Tieropfer. So werden Büffel und Schweine geschlachtet – so viele, wie sich die Familie leisten kann. Nach dem Glauben sollen die Tiere dem Verstorbenen auf seinem Weg in die Nachwelt helfen.
Musik und Tanz gehören ebenfalls zum Ritual. Auch Gäste aus aller Welt können zu einer solchen Feier eingeladen werden. Je größer die Zeremonie ausfällt, desto höher ist traditionell auch das Ansehen der verstorbenen Person.
Das Fleisch der geopferten Tiere wird anschließend unter den Anwesenden verteilt.
Auch nach der Beerdigung sind die Toten präsent
Mit dem "Rambu Solo" endet die Verbindung zu den Verstorbenen allerdings nicht. Die Toten werden nicht einfach für immer unter der Erde begraben.
Ihre Särge werden beispielsweise in Höhlen aufbewahrt. Um den Verwesungsprozess zu verlangsamen, werden die Körper nach dem Tod mit Formaldehyd behandelt.
Und dann gibt es noch ein Ritual, bei dem die Verstorbenen wieder aus ihren Särgen geholt werden.
"Ma’nene": Wenn die Toten wieder herausgeholt werden
Das Ritual "Ma’nene", was ungefähr "Die Pflege der Ahnen" bedeutet, findet in regelmäßigen Abständen statt.
Dabei werden die Toten aus ihren Särgen genommen, gereinigt und neu eingekleidet. In manchen Dörfern werden sie anschließend sogar durch ihre frühere Heimat getragen – fast so, als würden sie einen Spaziergang machen.
Auch Verstorbene, die bereits seit Jahrzehnten tot sind, können auf diese Weise geehrt werden. Sie bekommen erneut Nahrung, Getränke und Zigaretten.
Teilweise werden die Verstorbenen dabei sogar für ein neues Familienfoto in Szene gesetzt. Für die Toraja ist der Tod damit nicht das endgültige Ende der Verbindung zu einem Menschen.
Tradition gerät langsam unter Druck
Doch auch bei den Toraja verändert sich der Umgang mit den alten Bräuchen. Die zunehmende Hinwendung zum Christentum und Islam sowie der moderne Alltag setzen den traditionellen Ritualen zu.
Die Bedeutung von "aluk todolo" und "Ma’nene" nimmt deshalb in Teilen der Gemeinschaft ab. Trotzdem bleibt der außergewöhnliche Totenkult der Toraja ein fester Bestandteil ihrer Kultur – und zeigt, wie unterschiedlich Menschen auf der Welt mit Abschied, Tod und Erinnerung umgehen.
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