Auf Lebenszeit

Neue Regel: 192.000 Euro weniger für diesen Job

Gestapelte Euro-Münzen liegen auf verschiedenen Euro-Geldscheinen unterschiedlicher Werte.
© Getty Images
Justiz-Aufstand droht: Wegen drastischer Gehaltskürzungen und ausbleibender Zusagen des Ministeriums versammeln sich über 6.000 Justizbedienstete zum Protest. Diplomrechtspflegern drohen über das gesamte Berufsleben Einbußen von fast 200.000 Euro.
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In Österreichs Justiz rumort es gewaltig. Auslöser für den massiven Unmut ist das Fehlen eines rechtsverbindlichen Gehaltsausgleichs für die gestrichene Abgeltung von Mehrleistungen. Die aktuelle Gehalts-Regel hätte enorme Gehaltsverluste zur Folge.

Betroffen sind mehrere Berufgruppen in der Justiz:

  • Es trifft vor allem die Diplomrechtspflegerinnen und Diplomrechtspfleger.
  • Ihnen fehlen Monat für Monat exakt 609 Euro auf dem Gehaltszettel.
  • Rechnet man diesen Betrag auf eine gesamte Dienstzeit hoch, summiert sich der finanzielle Verlust auf eine astronomische Summe zwischen 104.000 und 193.000 Euro.
  • Laut Justizgewerkschaft entspricht dieser Gehalts-Verlust dem Gegenwert eines gesamten Einfamilienhauses.
  • Das Justizministerium hatte zwar wiederholt einen dauerhaften Ausgleich über eine sogenannte Ergänzungszulage zugesichert, ein beschlussreifer Gesetzesentwurf liegt jedoch nach wie vor nicht vor und steckt in der ministeriellen Abstimmung fest. So lange diese Regel fehlt, drohen astronomische Verluste für ganze Berufsgruppen von Justizmitarbeitern.
  • Gerichtsvollzieher sind auch betroffen mit Gehaltseinbußen von bis zu 1.000 Euro pro Monat (infolge rückwirkender Steuerlasten wegen falscher Berechnung der Bundesbesoldung).
  • Kanzleien der Gerichte und Staatsanwaltschaften: Diese stehen unter "extremer Belastung". Neben immer aufwendigeren Verfahren und akutem Personalmangel sorgen auch technische Probleme nach der Digitalisierung für zusätzlichen Frust.
  • Fehlender Nachwuchs: Durch die spürbaren Einkommensverluste leidet die Attraktivität der Justizberufe drastisch.

Proteststurm an den Gerichten

Jetzt reicht es den Gerichtsbediensteten: Mehr als 6.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter legen symbolisch die Arbeit nieder und informieren sich bei österreichweiten Dienststellenversammlungen.

Im Landesgericht Linz an der Fadingerstraße versammelt sich am Dienstag, den 10. November, die Justizbelegschaft, um ihrem Ärger lautstark Luft zu machen.

Die 4 Punkte gegen das Justiz-Chaos

Blick auf die Justitia-Statue im prunkvollen Innenraum des Oberlandesgerichts Wien.
Statue der Justitia am Oberlandesgericht Wien: Ist die aktuelle Gehaltsregel noch gerecht? © APA/ROLAND SCHLAGER
“Wir fordern die unverzügliche Vorlage eines beschlussreifen Gesetzesentwurfes zur Ergänzungszulage (Anm.: die entscheidende Gehaltsregel) und die rasche Beschlussfassung im Parlament noch vor Jahresbeginn.”

Werner Gschwandtner, Vorsitzender der Justizgewerkschaft

Die Justizgewerkschaft macht mit einem konkreten 4-Punkte-Plan Druck auf das Parlament und verlangt rasche Entscheidungen:

  1. Mehr Personal und faire Bezahlung: Sofortige Attraktivierung aller Justizberufe, um den personellen Aderlass zu stoppen.
  2. Gesetz noch vor Jahresbeginn: Ein fertig ausgearbeiteter Gesetzesentwurf für die Ergänzungszulage muss sofort ins Parlament und verabschiedet werden.
  3. Voller Ausgleich: Keinerlei Einkommensverluste für Rechtspfleger und Gerichtsvollzieher.
  4. Treue zu Zusagen: Absolute Vertragstreue der Regierung gegenüber den abgegebenen Versprechen.

Die Bundesregierung und vor allem Justizministerin Anna Sporrer (SPÖ) stehen mit dem Rücken zur Wand: Reagiert das Ministerium nicht sofort, droht Österreichs Rechtspflege der totale Stillstand.

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