Extremes Wetter

Rekord-El-Niño: Was das für Österreich bedeutet

Große Wellen schlagen während eines Sturms gegen Häuser an der Küste von Laguna Beach.
© Getty Images
Der Pazifik wird ungewöhnlich warm, El Niño nimmt weiter an Stärke zu. Meteorologen beobachten die Entwicklung deshalb genau. Das Wetterphänomen könnte bis ins kommende Jahr anhalten und die globale Temperatur zusätzlich nach oben treiben. Auch Österreich könnte die Auswirkungen indirekt zu spüren bekommen – vor allem über Veränderungen der großräumigen Wetterströmungen.
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El Niño entsteht, wenn sich das Oberflächenwasser im tropischen Pazifik deutlich stärker erwärmt als üblich. Dadurch verändert sich die atmosphärische Zirkulation, was wiederum Niederschlags- und Temperaturmuster in vielen Teilen der Welt beeinflussen kann. Besonders stark sind die Auswirkungen in den Regionen rund um den Pazifik. Dort reichen die möglichen Folgen von lang anhaltender Trockenheit und Hitze bis zu Starkregen und Überschwemmungen.

Nach Einschätzung der Weltorganisation für Meteorologie dürfte das aktuelle El-Niño-Ereignis bis Februar 2027 bestehen bleiben. Auch die US-Wetterbehörde NOAA rechnet mit hoher Wahrscheinlichkeit mit einem sehr starken Verlauf. Im tropischen Pazifik lagen die Wassertemperaturen zuletzt deutlich über dem langjährigen Durchschnitt. Damit steht dem globalen Wettersystem außergewöhnlich viel zusätzliche Energie zur Verfügung.

Halb brennende, halb gefrorene Erde im Weltall als Symbol für Klimaextreme.
© Getty Images

Was bedeutet das für Österreich?

Für Österreich lässt sich daraus keine konkrete Wetterprognose für die kommenden Wochen oder Monate ableiten. Der Zusammenhang zwischen El Niño und dem Wetter in Mitteleuropa ist deutlich schwächer als etwa in Südamerika oder Teilen Nordamerikas. Dennoch kann das Phänomen die atmosphärischen Strömungen verändern und dadurch indirekt auch Europa erreichen.

Grafik erklärt El Nino, zeigt veränderte Strömungen, Windrichtungen und Wetterfolgen im Pazifikraum.
© APA

Für den Winter 2026/27 deuten einige Modellberechnungen derzeit auf eine insgesamt eher milde Entwicklung hin. Das bedeutet allerdings keineswegs, dass Österreich einen Winter ohne Schnee und Frost erleben muss. Auch in einem überdurchschnittlich warmen Winter sind kräftige Kaltlufteinbrüche möglich. Gerade für die Alpenregion könnten solche Wetterumschwünge interessant sein: Auf milde Phasen können innerhalb weniger Tage deutliche Temperaturstürze und winterliche Niederschläge folgen.

Eine mögliche Rolle spielt dabei der Polarwirbel. Ein starkes El-Niño-Ereignis kann bis in die Stratosphäre wirken und dort die winterliche Zirkulation beeinflussen. Wird der Polarwirbel gestört oder geschwächt, können sich die Luftströmungen über Europa verändern. Dadurch kann die Wahrscheinlichkeit bestimmter Kaltluftvorstöße steigen. Ob und wann Österreich davon betroffen wäre, lässt sich Monate im Voraus jedoch nicht seriös bestimmen.

Kein Freifahrtschein für einen milden Winter

Für Österreich ist deshalb ein Szenario denkbar, bei dem der Winter insgesamt relativ mild ausfällt, zwischendurch aber markante Kältewellen bringt. Gerade diese Kombination macht langfristige Prognosen schwierig. Ein einzelnes Ereignis wie El Niño bestimmt nicht allein, wie sich das Wetter in Österreich entwickelt. Weitere Faktoren in Atlantik, Arktis und Stratosphäre spielen ebenfalls eine Rolle.

Auch für die Niederschlagsverteilung gibt es keinen einfachen El-Niño-Fahrplan. Für Österreich kann das bedeuten, dass sich längere trockene und milde Abschnitte mit niederschlagsreichen Wetterlagen abwechseln. In den Bergen wären dabei sowohl ergiebige Schneefälle als auch längere schneearme Phasen möglich.

Blick auf 2027

Sollte El Niño tatsächlich bis ins Frühjahr 2027 anhalten, könnte das Wetterphänomen auch die globale Durchschnittstemperatur zusätzlich erhöhen. El Niño wirkt dabei wie ein natürlicher Verstärker der ohnehin durch den Klimawandel erhöhten Temperaturen. Besonders bemerkbar machen könnte sich dieser Effekt im Verlauf des Jahres 2027.

Auch Österreich wäre davon nicht ausgenommen. Sollte die globale Erwärmung weiter durch ein starkes El-Niño-Ereignis unterstützt werden, könnten erneut sehr warme Monate auftreten. Ob daraus tatsächlich neue Temperaturrekorde in Österreich entstehen, lässt sich derzeit aber noch nicht vorhersagen.

Fest steht: Die Entwicklung im Pazifik dürfte Meteorologen in den kommenden Monaten weiter beschäftigen. Für Österreich ist El Niño dabei weniger als direkte Wettermaschine zu verstehen, sondern vielmehr als ein Faktor, der die großräumigen atmosphärischen Bedingungen verändern kann. Wie stark sich das letztlich auf Winter, Frühjahr und Sommer auswirkt, wird erst mit zunehmender Vorhersagefrist klarer.

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