Tränen-Talk
Stallone: Doping-Beichte und Herz-Drama
Wenn Sylvester Stallone vor die Kameras tritt, empfängt ihn das Publikum für gewöhnlich mit frenetischen "Rocky! Rocky!"-Sprechchören. Bei der feierlichen Präsentation seiner Memoiren unter dem Titel "The Steps" zeigte sich die Kino-Ikone nun jedoch von einer erstaunlich verletzlichen Seite. Während Millionen Filmfans ihn als unbezwingbaren Helden aus den Filmreihen "Rocky" und "Rambo" verehren, blickt Stallone selbst auf schwere seelische Narben zurück. Selbst sein größter beruflicher Triumph fühlte sich für ihn damals wie eine persönliche Niederlage an.
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Oscar-Triumph ohne Familienfreude
Als das Boxer-Drama "Rocky" im Jahr 1977 mit dem prestigeträchtigen Oscar als bester Film ausgezeichnet wurde, brach bei dem Hauptdarsteller keineswegs grenzenlose Euphorie aus. Statt Triumphgefühle zu empfinden, wollte er damals am liebsten tief im Kinosessel versinken. Die ersehnte Anerkennung aus dem engsten Kreis blieb trotz des weltweiten Ruhms vollständig aus. Stallone erinnerte sich an eine von Kälte geprägte Kindheit, in der herzliche Umarmungen oder Zuneigung schlichtweg nicht existierten. Mehr als jedes Vermögen habe er sich stets gewünscht, die mütterliche Hand im Gesicht zu spüren und den Satz "Ich liebe dich" zu hören. Auf die Nachfrage, ob seine Mutter diese Worte jemals über die Lippen brachte, antwortete die Filmlegende mit einem klaren und schmerzhaften Nein.
Ein unberechenbarer Vater und späte Vergebung
Seinen Vater beschreibt Stallone rückblickend als extrem harten Mann, dessen Verhalten ihn bis heute prägt. Ein Erlebnis beim gemeinsamen Abendessen blieb ihm besonders intensiv in Erinnerung: Mitten bei der Mahlzeit erblickte der Vater draußen im Garten einen Fasanen, legte die Gabel nieder, griff zur Schrotflinte und schoss das Tier kurzerhand nieder. Anschließend zerlegte und verzehrte er den erlegten Vogel, während der junge Sylvester fassungslos mit dem Besteck in der Hand zusah. Als der Vater im Jahr 1993 an einer Krebserkrankung litt, übernahm Stallone dennoch dessen Pflege. Kurz vor dem Tod gab ihm der Vater den Rat mit auf den Weg, nett zu den Mitmenschen zu sein. Stallone wischte sich während der Lesung über das feuchte Auge und stellte klar, dass er dem Vater letztlich verziehen habe. Das Loslassen habe ihn innerlich befreit.
Radikale Diäten, Steroide und schwere Operationen
Nicht nur emotional, sondern auch körperlich trieb der Star seinen Organismus weit über alle gesunden Grenzen hinaus. Um für die Leinwand perfekt in Form zu sein, hungerte er sich zeitweise auf einen lebensgefährlichen Körperfettanteil von lediglich 2,6 Prozent herunter. Seine damalige Radikalkur bestand im Wesentlichen aus reinem Thunfisch, bis zu 30 Tassen Kaffee täglich sowie dem massiven Einsatz von Steroiden. Aus dem Griff zu verbotenen Muskelaufbaupräparaten macht Stallone heute kein Geheimnis mehr und fragte das Publikum direkt, wer ernsthaft glaube, dass solche Körper ohne illegale Hilfsmittel möglich seien.
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Der Preis für die exzessiven Strapazen war verheerend: Stallone musste sich im Laufe seines Lebens neun Rücken-Operationen unterziehen, ließ sich beide Schultergelenke operativ ersetzen und erlitt schwere Herzprobleme. Den Körper sah er lediglich wie ein künstliches Superhelden-Kostüm an, das er für sechs bis acht Wochen extrem aufbaute. Der finale Weckruf folgte erst, als ihm eine künstliche Herzklappe eingesetzt werden musste.
Humorvoller Blick auf Alternativen und späte Reue
Einen neuerlichen Start als durchtrainierter Action-Held schließt der Darsteller in der Gegenwart aus, da dies körperlich kaum mehr zu bewältigen sei. Auch cineastische Meisterwerke wie das Mafia-Epos "Der Pate" aus dem Jahr 1972 hält er heutzutage für unmöglich zu besetzen. Auf die Frage, welchen Lebensweg er ohne den Durchbruch mit "Rocky" wohl eingeschlagen hätte, reagierte Stallone mit feiner Selbstironie: Vermutlich wäre er hinter Gittern gelandet oder hätte als Betreuer von Pferden gearbeitet, da er zu Tieren stets einen besonderen Zugang hatte. Auf die Frage nach seinem größten Versäumnis blickte er dankbar in den Backstage-Bereich zu Ehefrau Jennifer Flavin und gestand offen, dass er sie rückblickend am liebsten schon acht Jahre früher geheiratet hätte.
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