Unerwünscht

Südtirol will ganze Tierart ausrotten

Ein Mufflon mit gebogenen Hörnern steht im Wald auf steinigem Boden.
© Getty Images/500px Unreleased
Die Provinz Bozen greift in den heimischen Bergen durch: Der Mufflon gilt offiziell als unerwünschte Art und wird von den Behörden konsequent beseitigt. Kritik an diesem Vorgehen bleibt nicht aus.
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Die Provinz Bozen zieht eine direkte Bilanz ihres Einsatzes in den alpinen Regionen. Seit dem Jahr 2016 wurden durch das Forstkorps sowie Berufsjäger insgesamt 19 Mufflons erlegt – darunter neun Männchen, zehn Weibchen und drei Lämmer. Das vorerst letzte Exemplar, ein Jungtier, wurde im Jahr 2021 im Areal um Tiers geschossen. Formal gilt das Gebiet seit diesem Zeitpunkt als muffelfrei, wenngleich die behördlichen Maßnahmen unvermindert weiterlaufen.

Sobald ein einzelnes Exemplar gesichtet wird, erfolgt der Ausrückbefehl für die Wildhüter. Landesrat Luis Walcher, zuständig für Landwirtschaft und Forsten, stellte in seiner Beantwortung einer Landtagsanfrage des Abgeordneten Andreas Colli klar, dass die Behörden entschlossen sind, auftretende Vorkommen ohne Verzögerung zu beseitigen.

Fremde Art ohne natürliche Herkunft

Der Ursprung des Mufflons liegt in Westasien, weshalb die Art in Südtirol nicht als heimisch eingestuft wird. Nach Angaben des Corriere dell‘Alto Adige geht die Provinz davon aus, dass die Tiere einst illegal ausgesetzt worden sind. Das zuständige Jagd- und Fischereiamt schloss eine natürliche Einwanderung aus dem angrenzenden Trentino bereits im Jahr 2019 aus. Im Trentino selbst wurden die Tiere in den 1970er-Jahren mit behördlicher Genehmigung aus Sardinien angesiedelt.

Landesrat Walcher untermauert das Vorgehen mit ökologischen Argumenten. Die Wildtiere stehen in direkter Konkurrenz um Raum und Nahrung mit heimischen, geschützten Arten wie Gämse und Reh.

Kritik an der ökologischen Begründung

Das Nachrichtenportal BZ News 24 hinterfragt diese Argumentation. Angesichts von lediglich 19 erlegten Exemplaren innerhalb von sechs Jahren sowie einer von den Behörden selbst als sporadisch bezeichneten Präsenz fehlen spezifische Daten für Südtirol. Weder zur Überschneidung der Lebensräume noch zu konkreten Schäden an den Beständen von Gämsen, Steinböcken oder Rehen liegen gesicherte Belege vor. Das beschriebene Risiko bleibt damit vorerst potenzieller Natur.

Unterschiedlicher Umgang in den Regionen

Ein Vergleich mit der Nachbarregion verdeutlicht die unterschiedlichen Strategien im Umgang mit dem Mufflon. Im Trentino wuchs der Bestand zeitweise auf mehr als 1400 Exemplare an, ehe die Rückkehr des Wolfes ab 2019 zu einem Rückgang auf rund 400 Tiere führte. Für die Jagdsaison 2026/2027 hat die Provinz Trient dennoch den Abschuss von 129 Tieren freigegeben, wobei auch dort die Einstufung als nicht heimische Art herangezogen wird.

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