Fake-Liefer-Apps
Skurriler Trend: Warum Menschen Essen bestellen, das nie ankommt
Immer mehr Menschen lassen sich ihr Essen nach Hause liefern. Wir kennen es alle: Man liegt abends gemütlich auf der Couch, scrollt sich durch die Speisekarten der Lieferdienste und plötzlich sehen Burger, Pizza und Pasta verdächtig verlockend aus. Der Magen knurrt, der Finger schwebt über dem Bestell-Button. Doch haben wir wirklich Hunger oder ist uns einfach nur langweilig? Günstig ist der spontane Heißhunger schließlich nicht. Doch was wäre, wenn Sie einfach auf "Bestellen" klicken, ohne dass jemals ein Lieferant vor Ihrer Tür steht? Kein Essen, keine Rechnung und trotzdem ein gutes Gefühl. Was völlig verrückt klingt, ist das Prinzip hinter sogenannten "Dopamine Sites".
Fake-Liefer-Apps boomen
Die App mit dem passenden Namen "FoodNeverComes" macht genau das möglich: Mitten in der Nacht lässt sich der virtuelle Warenkorb mit Burgern, Sushi und Pommes füllen, die Lieferadresse eingeben und sogar ein virtueller Lieferant auf der Karte verfolgen. Der entscheidende Unterschied: Es gibt weder eine echte Küche noch einen Kurier – und vor allem wird kein Geld vom Bankkonto abgebucht..
Dieser Trend, der ursprünglich aus Südkorea stammt und aktuell das Internet erobert, läuft unter dem Namen "Dopamine Sites" (Dopamin-Seiten). Erfunden wurde die Fake-Liefer-App laut Medienberichten von einem südkoreanischen Entwickler namens Malhee. Der Startschuss war eigentlich als Scherz gedacht: Er ertappte sich selbst oft dabei, wie er spätnachts aus Langeweile Liefer-Apps öffnete, fiktive Bestellungen zusammenstellte und die App dann wieder schloss.
Warum uns das so glücklich macht
Es klingt im ersten Moment völlig absurd. Warum sollte man Zeit in einer App verschwenden, die einem am Ende gar nichts liefert? Wenn wir online shoppen oder Essen bestellen, schüttet unser Körper den Botenstoff Dopamin aus, unser körpereigenes Glückshormon.
Der größte Dopamin-Kick entsteht nicht erst, wenn wir in die fettige Pizza beißen, sondern bereits in der Vorfreude und der Erwartungshaltung beim Shoppen. Wir befriedigen mit dem Scrollen, dem Auswählen der Beilagen und dem Klick auf den Bestellbutton oftmals gar nicht den echten, physischen Hunger, sondern lediglich das emotionale Bedürfnis nach einer schnellen Belohnung. Sobald der Bestellvorgang abgeschlossen ist, ist dieser neurologische Drang gestillt. Dass danach niemand an der Tür klingelt, ist für das Gehirn in diesem Moment fast schon irrelevant. Das Ritual des Bestellens reicht völlig aus.
Genialer Hack gegen Impulskäufe und Kalorienfallen
Für viele junge Menschen – insbesondere für die Generation Z – hat sich FoodNeverComes längst von einem lustigen Meme zu einem echten Lifehack im Alltag entwickelt.
Man bestellt aus purem Stress, ärgert sich im Checkout über horrende Service- und Liefergebühren und hat nach dem Essen oft ein schlechtes Gewissen. Die Fake-App durchbricht diesen toxischen Teufelskreis. Nutzer können das Ritual des "Sich-etwas-Gönnens" in vollen Zügen zelebrieren, sparen dabei aber Geld und nehmen spät in der Nacht keine unnötigen Kalorien mehr zu sich. Eine echte Win-win-Situation für den Geldbeutel und die Gesundheit.
Auch Online-Shopping folgt diesem Prinzip
Dass eine Website, die nichts verkauft, so extrem viral gehen kann, zeigt, wie unser heutiges digitales Konsumverhalten funktioniert. Oft geht es uns gar nicht mehr primär um das Produkt, sondern nur noch um das Erlebnis, die Illusion der Kontrolle und und den kurzen Dopamin-Kick, den der digitale Bestellprozess auslöst. Kein Wunder also, dass inzwischen auch Fake-Online-Shops nach einem ähnlichen Prinzip funktionieren.
Fehler im Artikel gefunden?Jetzt melden