Für die Untersuchung der Universität Barcelona nahmen 47 Frauen und Männer zwischen 40 und 55 Jahren teil. 42 von ihnen beendeten die Studie.
Drei Monate lang ergänzten die Teilnehmer ihre normale Ernährung täglich um durchschnittlich knapp 35 Gramm konzentriertes Tomatenmark – etwa zwei Esslöffel. Anschließend folgte eine dreimonatige Phase, in der sie Tomaten und andere lycopinreiche Lebensmittel weitgehend mieden. Dazwischen lag ein Monat Pause.
So konnten die Forscher vergleichen, wie dieselben Personen mit und ohne zusätzliche Tomaten-Portion bei verschiedenen Tests abschnitten.
Lycopin-Spiegel fast verdoppelt
Im Blut zeigte sich zunächst, dass das Tomatenmark tatsächlich einen messbaren Unterschied machte: Nach den drei Monaten hatte sich die Lycopin-Konzentration im Körper der Teilnehmer gegenüber dem Ausgangswert nahezu verdoppelt.
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Lycopin gehört zu den Carotinoiden und wirkt als Antioxidans. Der Pflanzenstoff kann zudem die Blut-Hirn-Schranke überwinden. Welche Rolle er genau für das Gehirn spielt, ist allerdings noch nicht abschließend geklärt.
Besser bei Aufmerksamkeit und einem Gedächtnistest
Besonders interessant waren die Ergebnisse der Denkaufgaben. Bei einem Aufmerksamkeitstest mussten die Teilnehmer aus vielen ähnlichen Zeichen möglichst schnell die richtigen erkennen.
Nach der Tomatenphase arbeiteten sie dabei schneller und konzentrierter als nach der Kontrollphase.
Auch bei einem Gedächtnistest zeigte sich ein kleiner Vorteil. Die Teilnehmer sollten sich zwölf Gesichter und die dazugehörigen Namen merken und die Paare 15 Minuten später wieder zuordnen. Nach der Tomatenphase gelang ihnen das etwas besser.
Bei anderen Gedächtnisaufgaben und Tests zur geistigen Flexibilität zeigte sich dagegen kein Vorteil.
Lycopin als möglicher Grund
Auffällig war außerdem: Je stärker der Lycopin-Spiegel im Blut gestiegen war, desto deutlicher verbesserten sich im Durchschnitt Konzentration und Verarbeitungsgeschwindigkeit.
Das macht Lycopin zu einem möglichen Kandidaten für den beobachteten Effekt. Bewiesen ist damit allerdings nicht, dass allein der Pflanzenstoff dafür verantwortlich ist.
Tomaten enthalten schließlich noch zahlreiche andere bioaktive Substanzen – darunter weitere Carotinoide, Vitamine und Polyphenole.
Auch im Gehirn zeigten sich Veränderungen
Die Forscher untersuchten außerdem eine kleine Gruppe von 14 Teilnehmern per MRT. Dabei zeigten sich nach der Tomatenphase Veränderungen in mehreren Netzwerken des Gehirns.
Betroffen war unter anderem ein Netzwerk im Stirn- und Scheitellappen, das an der Steuerung der Aufmerksamkeit beteiligt ist. Einige Verbindungen innerhalb dieses Netzwerks waren schwächer geworden.
Das bedeutet laut den Forschern nicht automatisch, dass das Gehirn schlechter arbeitete. Möglich sei auch, dass sich die Netzwerke effizienter organisiert hatten.
Noch kein Beweis für ein "fitteres" Gehirn
Trotz der interessanten Ergebnisse ist die Studie mit Vorsicht zu betrachten. Sie war klein und die Teilnehmer wussten, wann sie Tomatenmark konsumierten. Auch die Untersuchung der Gehirnaktivität umfasste nur 14 Personen.
Ob die Veränderungen langfristig bestehen bleiben oder sogar vor altersbedingtem geistigem Abbau schützen, lässt sich daraus nicht ableiten.
Auch Nahrungsergänzungsmittel mit hoch dosiertem Lycopin sind damit nicht automatisch sinnvoll. Untersucht wurde schließlich Tomatenmark als Lebensmittel und nicht isoliertes Lycopin.
Einen Vorteil hat die Verarbeitung allerdings: Lycopin ist in Tomatenmark besonders konzentriert und übersteht Hitze gut. Durch das Erhitzen werden zudem Zellstrukturen der Tomate aufgebrochen, wodurch der Körper den Pflanzenstoff leichter aufnehmen kann.
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