"Kein Sündenbock"

Zugunglück in Spanien: Minister lehnt Rücktritt ab

Zwei Kräne heben entgleiste Zugwaggons nach einem schweren Zugunglück auf einem Feld an.
© APA/AFP/OSCAR DEL POZO
Nach dem schweren Hochgeschwindigkeits-Zugunglück bei Urda (Provinz Toledo) mit mindestens 69 Todesopfern hat der spanische Verkehrsminister Óscar Puente einen Rücktritt am Freitag, dem 30. Oktober 2026, offiziell ausgeschlossen
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Bei einer Pressekonferenz am Freitag räumte er ein, unter großem Druck zu stehen, betonte aber, dass er "Verantwortung übernehmen" wolle.

Opferzahlen könnten noch steigen

Puente sagte, es sei ihm bewusst, dass er während des Wahlkampfs Zielscheibe von Kritik und Beleidigungen sein werde – und es wäre für ihn einfacher, sich zurückzuziehen. Das berichten Agenturen heute. Ein Rücktritt würde an sich nichts lösen, so der Minister. Er wolle aber, statt über seine weitere Amtszeit zu diskutieren, lieber aufklären, "was geschehen ist", und Lösungen anbieten.

Ein Mann spricht auf einer Pressekonferenz und gestikuliert mit beiden erhobenen Zeigefingern.
Verkehrsminister Óscar Puente lehnte heute offiziell einen Rücktritt ab. © IMAGO/Europa Press

Im Zentrum der Ermittlungen stehen der Ausfall des Zugssicherungssystems LZB und mögliche Fehlentscheidungen in der Bahnleitstelle in Madrid. Von Medien veröffentlichte Mitschnitte des Funkverkehrs legen nahe, dass der Lokführer eines RENFE-Zuges von einem Mitarbeiter der Leitstelle angewiesen wurde, den normalen Fahrbetrieb wieder aufzunehmen, obwohl das automatische Zugssicherungssystem noch nicht wieder funktionierte und ein Zug des privaten Unternehmens Iryo weiterhin auf der Strecke stand.

Zwei Tage nach der Zugskatastrophe ist unterdessen zwar die Suche nach Opfern an der Unglücksstelle rund 130 Kilometer südlich von Madrid beendet, dennoch könne man nicht ausschließen, dass die derzeitige Zahl von 69 Todesopfern noch steige, sagte der Regierungschef der Region Kastilien-La Mancha, Emiliano Garcia-Page, am Freitag.

"System schon 170 mal heuer versagt"

Unklar ist auch, wieso der Iryo-Zug sich nicht in Bewegung setzte und der Lokführer des RENFE-Zuges nicht gewarnt wurde. Mittwoch kurz vor 9.00 Uhr prallte der RENFE-Zug mit einer Geschwindigkeit zwischen 160 und 200 km/h auf die stehende Garnitur.

Verkehrsminister Puente sagte, dass das Sicherungssystems LZB heuer bereits 170-mal versagt habe. Das sei allerdings in allen Ländern, in denen es eingesetzt werde, so.

Neuwahlen unter unklaren Vorzeichen

Am 29. November findet in Spanien eine vorgezogene Neuwahl statt, die Sanchez ausgerufenen hatte. Für die Opposition, allen voran die konservative PP und die rechtspopulistische Vox steigen nun die Chancen, die Regierung von Sanchez zu stürzen.

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