Nach Kritik
Forsa kontert: Merz soll Umfragen ernst nehmen
Das kommt nicht wirklich überraschend, dass der Kanzler und sein Team das RTL/ntv-Trendbarometer vom 15. September nicht ganz so ernst nehmen wollen: Von den 2502 von Forsa befragten Personen war nur noch jeder Zehnte mit der Arbeit von Merz zufrieden, das waren drei Punkte weniger als in der Vorwoche. Selbst unter Anhängern von CDU und CSU überwiegt die Kritik: 57 Prozent sind unzufrieden, 42 Prozent zufrieden.
Die Union fällt in derselben Erhebung auf 20 Prozent – auf den schlechtesten Wert seit Oktober 2021. Die AfD liegt bei 27 Prozent, die Grünen bei 18, SPD und Linke bei je 12 Prozent. Forsa selbst betont: Scholz kam an seinem Tiefpunkt im Juli 2024 immerhin noch auf 23 Prozent Zufriedenheit.
"Neues Niveau der Realitätsverweigerung"
In der Regierungspressekonferenz am Mittwoch wollte ein Journalist wissen, wie verhindert werden könne, dass Merz bald einstellig dastehe. Kornelius antwortete, Umfragen seien "Momentaufnahmen", die den Kanzler auf seinem Reformkurs "nicht irritieren". Institute, die in so hoher Frequenz Zahlen vorlegten, hätten gar nicht die Finanzmittel für seriöse Erhebungen. Die demoskopischen Grundlagen vieler Umfragen – "nicht aller" – vertrügen eine nähere Betrachtung. Aus der Schlagzahl ließen sich keine validen Ableitungen ziehen.
Manfred Güllner, der Forsa 1984 gegründet hat, weist das zurück: Die Kritik an seriösen Instituten sei unberechtigt, sagte er dem Portal The Pioneer. Wer Umfragen pauschal diskreditiere, ignoriere ihre demokratische Funktion. Die Zahlen seien keine Erfindung der Demoskopen, sondern das, was Befragte ihnen anvertrauten. Eine Politik über die Köpfe der Menschen hinweg sei auf Dauer eben nicht mehrheitsfähig. Der Regierung rät er ausdrücklich, "die große Unzufriedenheit der Bundesbürger mit seiner bisherigen Arbeit ernst zu nehmen". Zugleich räumt der 84-jährige Meinungsforscher ein, Kornelius habe teilweise recht: Es gebe "schwarze Schafe" in der Branche und eine unkritische Verbreitung verzerrter Daten in manchen Medien.
Auch INSA-Chef Hermann Binkert reagierte auf die Aussagen des Regierungssprechers: Wer im Spiegel nicht mehr gut aussehe, solle nicht den Spiegel tadeln. Die Wirklichkeitsverweigerung erreiche ein neues Niveau.
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