Betrüger
Hunderte Identitäten gestohlen: Festnahmen
Die drei Haupttäter, denen am 22. September im Straflandesgericht bereits der Prozess gemacht wird, sollen Ausweise gefälscht, diese verkauft oder sie für Kontoöffnungen genutzt haben. Damit bestellten sie hochpreisige Mobiltelefone, zahlten sie nicht, aber verkauften sie lukrativ, so Ermittler.
Der Gesamtschaden des Netzwerks beläuft sich demnach auf rund 750.000 Euro. Bezirksinspektor Robert Meusburger, Ermittler beim LKA Wien (Außenstelle Süd), konnte sich bei einem Medientermin am Freitag vorstellen, dass der Schaden noch viel höher ist und auch mehr als eine Million betragen kann. Dafür stahlen die Kriminellen die Identitäten von mehr als 200 Personen.
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Banken berichteten von falschen Personalausweisen
Im November 2024 kam es zu einer Anzeigenflut vonseiten von Banken, die von Kontoeröffnungen mit gefälschten Personalausweisen im Scheckkartenformat berichteten. "Auffällig war, dass auf den Ausweisen immer das gleiche Foto war, nur mit unterschiedlichen Identitäten", sagte Meusburger. Bis zum Sommer 2025 wurden mehr als 200 Konten eröffnet. Zunächst wussten die Ermittler nicht, was die Täter damit vorhatten.
Erst als die ersten Opfer von Identitätsdiebstahl, die nichts von den Machenschaften wussten, einvernommen wurden, zeigte sich ein klareres Bild. Einer berichtete der Polizei, dass er verwundert war, wie er einen Handyvertrag abschließen wollte, dass er gesperrt war und ein Inkassoverfahren gegen ihn läuft. Der Mann konnte sich das überhaupt nicht erklären, weil er bei diesem Mobilanbieter noch nie einen Vertrag hatte. Die Ermittler wussten somit, dass sie bei Mobilfunkanbietern ansetzen mussten und wurden fündig.
Die Täter hatten bei den drei größten Handyanbietern unter den Namen der Opfer hochpreisige Mobiltelefone bestellt. "Immer das teuerste Iphone oder Android-Handy", sagte Meusburger. "Pro Bestellung waren wir bei 3.000 bis 4.000 Euro." Die Ware ließen sie an Adressen liefern, wo niemand wohnt, oder an Paketshops, die nicht videoüberwacht waren. Dort wurden die Handys dann mit den gefälschten Ausweisen abgeholt. Mit den eröffneten Konten täuschten sie den Händlern Liquidität vor.
Gruppierung unter strenger Hierarchie
Die Gruppierung war hierarchisch aufgebaut. 30 Täter im Alter von 24 bis 50 Jahren konnten am Ende von den Ermittlern mittels akribischer Polizeiarbeit identifiziert werden. Sie wohnen zum Teil in Wien bzw. in der Umgebung. Bei den drei Hauptverdächtigen handelt es sich um Österreicher mit russisch-tschetschenischem Hintergrund. Der Kopf der Bande war unter dem Pseudonym "Inko1" im Darknet unterwegs und verkaufte auch die gefälschten Ausweise dort für 600 Euro. Sein Komplize war der Fälscher, der auf der Loggia seiner Wohnung in Floridsdorf eine Fälscherwerkstätte betrieb. Die Polizei stellte bei ihm Drucker, Hydraulikpresse, Computer, Laser und Epoxidharz sicher. Der dritte Verdächtige war der Assistent der beiden anderen, der die Ausweise vorbereitete und versendete.
Weiter unten in der Hierarchie waren drei Recruiter, die die Läufer anwarben und diese zu den Kontoeröffnungen und den Handyabholungen begleiteten. Bei den Läufern handelte es sich meist um Menschen mit massiven Geldproblemen, die in kurzer Zeit an viel Geld kommen wollten. Pro Einsatz erhielten sie 200 bis 400 Euro. Dabei handelte es sich auch um obdachlose Menschen oder Personen aus dem Suchtgiftmilieu. Viel Information erhielt die Polizei von den Läufern nicht. "Teilweise hatten sie Angst über das Netzwerk zu sprechen, teilweise wussten sie aber auch nicht viel", sagte Meusburger.
Neben den Handy- und Ausweisverkäufen machte die Gruppierung auch Beute über die eröffneten Konten. Zum Teil konnten von dort bereits Gelder bis zu 1.000 Euro abgehoben werden, was dann ins Ausland überwiesen wurde. Die eröffneten Konten wurden auch im Darknet verkauft. Bei der kriminellen Machenschaft "Bankdrop" nutzen die Täter illegale Konten zur Verschleierung von Geldströmen und für betrügerische Aktivitäten.
Haupttäter nach Hinweisen aus Deutschland ausgeforscht
Auf den Haupttäter "Inko1" kamen die LKA-Ermittler erst über das Bundeskriminalamt. Bei einer Operation namens "Widow" gegen das Darknet wurde in Deutschland die kriminelle Online-Handelsplattform "Crimenetwork" abgeschaltet und die Betreiber festgenommen. Die deutschen Ermittler wiesen die österreichischen Behörden darauf hin, dass dort jemand unter dem Pseudonym "Inko1" die österreichischen Ausweise im großen Stil verkauft. Und dieser "Inko1" machte einen großen Fehler. Für seine Machenschaften eröffnete der im Wiener Bezirk Favoriten lebende Mann ein Kryptokonto, um die erwirtschafteten Gelder dort abzulegen. Dazu benutzte der Mann seinen echten Ausweis.
Weil dieser "Inko1" im Darknet auch nach Läufern suchte, zählten die Ermittler vom LKA eins und eins zusammen und schlussfolgerten, dass er auch für die Kontoeröffnungen in Wien verantwortlich sein musste. Um noch mehr Beweise zu sammeln, wurden über das BK Scheinkäufe im Darknet vorgenommen, "Inko1" wurde zudem technisch und personell überwacht und die Überwachungsaufnahmen bei den Banken ausgewertet. Da der mutmaßliche Boss auch bei einer Kontoeröffnung dabei war und er auch auf einem Kuvert des Scheinkaufs seine DNA-Spur hinterließ, erfolgte im August 2025 die Festnahme. Seitdem sitzt der bisher Unbescholtene in Untersuchungshaft.
Haupttäter verweigern die Aussage
In seiner Wohnung wurden gefälschte Ausweise, Bargeld, Mobiltelefon, Computer und dergleichen sichergestellt. Dann begannen die Auswertungen, um alle anderen Täter auszuforschen. Der Fälscher wurde erst im Frühjahr 2026 festgenommen. Die drei Haupttäter haben bisher die Aussage verweigert. 15 Personen, darunter Österreicher, Serben, Russen und Afghanen, wurden bisher bereits verurteilt. Auch drei Frauen waren unter den Beschuldigten.
"Der Haupttäter ist sehr intelligent und kennt sich gut aus", sagte Meusburger über "Inko1". "Täter im Betrugsbereich sind sehr kreativ", meinte auch Oberst Dietmar Berger, Leiter der LKA-Außenstelle Süd. Dass noch weitere Hintermänner im Hintergrund stehen, davon gehen die Ermittler aus.
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