Pharma-Krise
Kein Investor: 540 Jobs bei Biontech weg
Bereits im Mai hatte der Mainzer Konzern angekündigt, weltweit bis zu 1.860 Stellen zu streichen – also mehr als jeden fünften der damals 8.400 Arbeitsplätze. Neben Marburg sollen die Werke in Idar-Oberstein (440 Stellen) und Tübingen (820 Stellen am früheren CureVac-Standort) sowie eine Anlage in Singapur schließen. Die Covid-Impfstoffproduktion in Deutschland wird an den Partner Pfizer übertragen. Ab 2029 erwartet Biontech jährliche Einsparungen von bis zu 500 Millionen Euro, die vor allem in die Krebsforschung fließen sollen.
Das Marburger Werk hatte Biontech 2020 von Novartis übernommen und in der Pandemie massiv ausgebaut. Zeitweise war Kapazität für Hunderte Millionen Impfstoffdosen geplant, später sogar für mehr als eine Milliarde Dosen im Jahr. 2023 flossen noch 40 Millionen Euro in eine Anlage für Plasmid-DNA. 2025 sprach das Unternehmen noch von einem wesentlichen Standort – und baute dennoch schon Hunderte Stellen ab. Die Nachfrage nach Corona-Impfstoffen ist seither eingebrochen, die Anlagen sind unterausgelastet.
Auch interessant
Insgesamt mehr als 1.300 Jobs in Gefahr
Für Marburg ist dieser Fall Teil einer größeren Pharma-Krise: Zusammen mit Einschnitten bei CSL und Innexis drohen in der Stadt mehr als 1.300 Arbeitsplätze wegzufallen. Die IGBCE hatte einen Verkauf statt der Schließung gefordert; zeitweise war Interesse von Moderna im Gespräch. Daraus wurde offenbar nichts. Gewerkschafter zweifelten schon im Sommer, ob Biontech die Verkaufssuche ernsthaft betreibe. Bleibt es beim Fahrplan, verliert Deutschland seine einzige mRNA-Großproduktion.
OE24 TV Live-Stream
OE24 TV Live-Stream
Fehler im Artikel gefunden?Jetzt melden