An Volksschulen
Schwache Schulleistungen: Wels fordert Unterstützung vom Land
Die Ergebnisse des Bildungskompasses sorgen in Wels für Diskussionen. Bürgermeister Andreas Rabl (FPÖ) sieht dringenden Handlungsbedarf bei den Leistungen der Volksschulkinder in Deutsch und Mathematik. Er fordert von der Bildungsdirektion und dem Land Oberösterreich zusätzliche Unterstützung sowie umfassende Maßnahmen zur Verbesserung der Bildungschancen.
Nach Ansicht des Bürgermeisters lassen sich die schwachen Ergebnisse nicht ausschließlich auf mangelnde Deutschkenntnisse zurückführen. Auch unterschiedliche familiäre und soziale Voraussetzungen sowie unzureichende Fördermöglichkeiten würden eine wesentliche Rolle spielen.
Mehr Lehrkräfte und Sprachförderung gefordert
Die Stadt Wels investiert nach eigenen Angaben bereits mehrere Millionen Euro in die sprachliche Frühförderung in Kindergärten. Mehr als 50 Sprachpädagoginnen sind dafür im Einsatz. Für die Volksschulen verlangt Rabl nun ein umfassendes Förderprogramm. Dazu zählen zusätzliche Lehrkräfte, mehr Sprachförderpersonal und weitere Unterstützungskräfte, die das bestehende Personal entlasten sollen.
Besonders kritisch sieht der Bürgermeister den Lehrkräftemangel. Im Frühjahr hätten an den Welser Volksschulen noch 65 Lehrkräfte gefehlt. Teilweise seien die offenen Stellen mit Quereinsteigern besetzt worden, denen mitunter die notwendige pädagogische Ausbildung fehle. Die Stadt habe bereits ein eigenes Programm zur Steigerung der Attraktivität des Lehrerberufs in Wels umgesetzt. Nun müsse auch die Bildungsdirektion entsprechende Schritte setzen.
Sprachkenntnisse früher überprüfen
Ein weiterer Schwerpunkt der Forderungen betrifft die frühzeitige Sprachförderung. Rabl spricht sich dafür aus, die Deutschkenntnisse von Kindern bereits im dritten Lebensjahr im Rahmen des Eltern-Kind-Passes zu überprüfen.
Kinder mit unzureichenden Deutschkenntnissen sollen nach seinen Vorstellungen verpflichtend einen Kindergarten besuchen müssen. Dafür wären entsprechende gesetzliche Änderungen erforderlich. Außerdem fordert er eine gesetzliche Grundlage, damit Entwicklungsdokumentationen aus dem Kindergarten an die Volksschulen weitergegeben werden können. Dadurch sollen Lehrkräfte frühzeitig über Stärken und Schwächen der Kinder informiert werden und gezielte Fördermaßnahmen planen können.
Zusätzlich schlägt der Bürgermeister eine wissenschaftliche Untersuchung der Bildungsergebnisse vor. Die Pädagogische Hochschule soll analysieren, weshalb Welser Volksschulen im Vergleich zu anderen Bezirken schlechter abschneiden.
Mehr Sonderschulplätze und Begabtenförderung
Auch bei der Betreuung von Kindern mit besonderem Förderbedarf sieht Rabl Verbesserungsbedarf. Wels habe einen überdurchschnittlich hohen Anteil an Kindern mit entsprechendem Unterstützungsbedarf, die derzeit überwiegend in bestehenden Klassen unterrichtet würden. Die dafür notwendigen personellen Ressourcen seien allerdings nicht ausreichend vorhanden. Deshalb fordert der Bürgermeister den Ausbau beziehungsweise Neubau von Sonderschulkapazitäten.
Gleichzeitig müsse auch die Förderung besonders begabter Kinder verstärkt werden. Dafür seien ebenfalls zusätzliche personelle Mittel notwendig.
Sanktionen bei fehlender Elternmitwirkung
Eine weitere Forderung betrifft die Zusammenarbeit zwischen Eltern und Schulen. Rabl möchte gesetzliche Möglichkeiten schaffen, um gegen Eltern vorzugehen, die ihren schulischen Mitwirkungspflichten nicht nachkommen. Als mögliche Konsequenzen nennt er Geldstrafen oder den Entzug der Kinderbeihilfe. Dies soll insbesondere bei fehlender Unterstützung beim Deutschlernen und bei der Integration greifen.
Einnahmen aus entsprechenden Geldstrafen sollen nach seinen Vorstellungen für die individuelle Sprachförderung von Kindern verwendet werden.
Gespräche mit Land & Bildungsdirektion geplant
Die insgesamt acht vorgeschlagenen Maßnahmen sollen in den kommenden Monaten mit der Bildungsdirektion und dem Land Oberösterreich besprochen werden. Ziel der Stadt Wels ist ein konkretes Umsetzungskonzept mit einem verbindlichen Zeitplan. Dabei sollen auch zusätzliche finanzielle und personelle Mittel verhandelt werden.
Rabl bezeichnet die Ergebnisse des Bildungskompasses als alarmierend. Aus seiner Sicht müsse das Land Oberösterreich als zuständige Stelle rasch handeln, damit Kinder in Wels vergleichbare Bildungschancen wie in anderen Bezirken erhalten. Ob und in welchem Umfang die vorgeschlagenen Maßnahmen umgesetzt werden, ist derzeit noch offen.
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