"Manipulativ"
Trinkgeld-Vorgaben sorgen für AK-Kritik
Ein kurzer Blick aufs Display, die Karte liegt schon am Lesegerät und plötzlich steht noch eine Entscheidung an. 10, 15 oder vielleicht sogar 20 Prozent Trinkgeld? In manchen Lokalen werden Gästen inzwischen noch höhere Beträge vorgeschlagen. Was praktisch wirken soll, sorgt nun für Kritik.
Immer mehr Rechnungen in Restaurants, Cafés und Bars werden mit Karte oder Handy bezahlt. Viele Bezahlgeräte fragen dabei automatisch nach Trinkgeld und zeigen mehrere Prozentwerte zur Auswahl an. Die Wiener Arbeiterkammer kritisiert, dass die voreingestellten Trinkgeldbeträge bei Gästen eine Erwartungshaltung erzeugen können.
AK warnt vor psychologischem Druck
"Trinkgeld ist eine freiwillige Leistung. Da möchte man auch nicht gedrängt werden", sagt AK-Konsumentenschützerin Gabriele Zgubic im Ö1-Magazin "Help". Besonders kritisch sieht sie Gestaltungen, bei denen hohe Trinkgeldbeträge groß und auffällig angezeigt werden, während die Möglichkeit, nichts zu geben, nur schwer zu finden ist.
Unter Zeitdruck könne das dazu führen, dass Gäste mehr zahlen als ursprünglich geplant. Zgubic verweist dabei auch auf eine Gerichtsentscheidung aus Deutschland, bei der eine kaum sichtbare Auswahl gegen Trinkgeld zum Streitfall wurde. Solche Gestaltungen werden als manipulatives Design bezeichnet.
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Gastronomie weist Kritik zurück
Thomas Peschta, Obmann der Fachgruppe Gastronomie in der Wirtschaftskammer Wien, kann die Vorwürfe nicht nachvollziehen. Die Trinkgeldfunktion sei vor allem eine Reaktion darauf, dass Kartenzahlung und mobiles Bezahlen immer häufiger genutzt würden. Fälle, in denen Gäste dadurch tatsächlich unter Druck gesetzt worden seien, seien ihm nicht bekannt.
Aus Sicht der Gastronomie liegt das Problem vielmehr an anderer Stelle. Laut Peschta fällt das Trinkgeld bei Kartenzahlungen teilweise nur halb so hoch aus wie bei Barzahlungen. Das treffe vor allem die Beschäftigten in den Lokalen.
"Grundsätzlich sollten die Löhne so gestaltet sein, dass man auf Trinkgeld nicht angewiesen ist", hält Zgubic dagegen. Gäste dürften ihrer Ansicht nach nicht das Gefühl bekommen, zusätzlich für eine faire Bezahlung des Personals aufkommen zu müssen.
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