Bricht ihr Schweigen
Julia Meck über JP Kraemer: "Ich bin bei ihm geblieben, weil ich Angst hatte"
"Vieles habe ich hingenommen. Ich wollte mich aus einer öffentlichen Schlammschlacht heraushalten und mein Privatleben schützen. Aber ich lasse mir nicht alles gefallen", schreibt Meck. Sie werde öffentlich beleidigt und verleumdet – auch ihre Familie werde bedroht und angefeindet. "Deshalb muss ich jetzt reagieren und mich verteidigen", schreibt sie.
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Vorwurf der wechselseitigen Gewalt
Vor allem die Darstellung einer "wechselseitigen Gewalt" weist Meck zurück. "Wenn ich nun höre, dass er von ‚wechselseitiger Gewalt' spricht, verletzt mich das zutiefst und macht mich fassungslos." Kraemer hatte nach Bekanntwerden des Polizeieinsatzes vom 26. Juli in der gemeinsamen Dortmunder Villa auf YouTube behauptet, bei den Auseinandersetzungen seien von beiden Seiten Körperlichkeiten ausgetauscht worden. "Die Schläge, die ich bekommen habe – und das soll keine Rechtfertigung sein –, waren ein Vielfaches stärker und halt auch mehr", behauptete er.
Meck schildert die Situation anders. Kraemer habe sie bedrängt, festgehalten und angeschrien. Er habe sie gegen eine Tür gedrückt und ihren linken Arm hinter ihrem Körper eingeklemmt. "Er riss mir die Kette vom Hals, griff mit seiner Hand mein Gesicht und Teile meines Halses und drückte mit einem festen Würgegriff zu."
Sie habe sich zunächst mit einer kleinen Plastikbürste, die sie in der rechten Hand hielt, gegen seinen Brustkorb gewehrt. Daraufhin habe Kraemer ihr ins Gesicht geschlagen. Meck: "Ich stieß ihn mit beiden Händen so fest ich konnte von mir weg." Dabei sei seine Brille zu Boden gefallen. Anschließend sei sie in Angst um ihr Leben weinend aus dem Haus gerannt und habe den Notruf gewählt.
Unterschiedliche Darstellungen der Polizei
Auch Kraemers Darstellung des ersten Polizeieinsatzes widerspricht Meck. Er hatte erklärt, sie sei damals "des Hauses verwiesen" worden. Dazu sagte er: "Die Polizei muss dann, glaube ich, den Aggressor quasi da ausfindig machen."
Meck widerspricht: "Das ist nicht das, was ich erlebt habe." Wegen Spannungen in der Beziehung habe sie zu diesem Zeitpunkt bereits vorübergehend bei ihren Eltern gewohnt. An jenem Tag habe Kraemer ihr vor einem Café aufgelauert, in dem sie mit einer Freundin gesessen habe, und sie durch die Fensterscheibe beobachtet. "Solche Kontrollen waren Bestandteil meines Alltags."
Als sie ihre restlichen Sachen aus dem gemeinsamen Zuhause abholen wollte, habe Kraemer ihr den Zutritt verwehrt und selbst die Polizei gerufen. Die Beamten seien vor Ort geblieben, bis sie mit ihren gepackten Sachen zu ihren Eltern zurückkehren konnte. Meck stellt klar: "Mir wurde weder ein Rückkehrverbot ausgesprochen, noch wurde seitens der Polizei etwas gegen mich unternommen."
Warum Meck bei ihm blieb
Warum blieb Meck trotz der von ihr geschilderten Gewalt bei Kraemer? "Ich bin bei ihm geblieben, weil ich Angst hatte. Aber auch, weil ich an die Liebe geglaubt habe: an die Briefe, die Blumen und die Versprechen, dass alles nur ein Ausrutscher gewesen sei, dass er seine Therapie wieder aufnehmen und sich diesmal wirklich etwas ändern werde."
Sie habe Jean Pierre Kraemer in ihrem Umfeld lange gegen die Gewaltvorwürfe verteidigt. Ihre Bilanz: "Am Ende blieb die schmerzhafte Erkenntnis: Es änderte sich nichts. Die Gewalt hörte nicht auf."
Auch gegen die Darstellung, sie sei in der Ehe finanziell abhängig gewesen, wehrt sich Meck. "Ich war nie auf einen Mann angewiesen. Schon vor unserer Beziehung stand ich finanziell auf eigenen Beinen." Kraemer hatte die Streitigkeiten in der Ehe vorwiegend mit Geld und Ausgaben erklärt. Über seine Geschenke an Julia sagte er: "Gefühlt war keine Dankbarkeit wirklich da, sondern gefühlt war alles einfach selbstverständlich."
Meck findet es enttäuschend, dass Kraemer sie in seinen Statements als undankbar darstelle und seine Wutausbrüche mit angeblichen Geldstreitigkeiten rechtfertige.
Auch einen Kickboxkurs aus ihrer Teenagerzeit weist sie als Argument gegen sich zurück: "Der Versuch, mir nun einen Kickboxkurs aus meiner Teenagerzeit entgegenzuhalten, ist absurd." Ein solcher Kurs mache aus einer Frau keine Kämpferin – schon gar nicht gegenüber einem körperlich deutlich überlegenen Mann, der sie festhalte und zuschlage.
Meck fordert Schutz vor Drohungen
Meck kritisiert außerdem Kraemers Schweigen zu den Drohungen gegen sie und ihre Familie. "Ich hätte mir gewünscht, dass er zu den Gewaltaufrufen nicht schweigt, sondern seiner Community unmissverständlich sagt: Lasst sie in Ruhe. Bedroht sie nicht. Bedroht die Familie nicht."
Sie wirft ihrem Noch-Ehemann zudem vor, einen Beitrag auf Social Media mit "Gefällt mir" markiert zu haben, in dem Gewalt gegen sie verharmlost und ins Lächerliche gezogen wird.
Meck selbst wolle nun einen Schlussstrich ziehen. "Heute bin ich froh, dass das Schlimmste für mich vorbei ist." Sie wolle nach vorn blicken, "in eine Zukunft ohne Gewalt und ständige Kontrolle".
Zum Schluss richtet sie sich an andere Betroffene: "Wer sich in meiner Geschichte wiedererkennt, soll wissen: Schweigen schützt nur denjenigen, der Angst vor der Wahrheit hat."
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