Zahlen explodieren
Urlaubsinsel ruft Notstand wegen HIV-Krise aus
Fidschi ruft wegen der rasanten Ausbreitung von HIV den nationalen Notstand aus. Inzwischen lebt Schätzungen zufolge etwa jeder 60. Erwachsene mit dem Virus. "HIV ist inzwischen eine nationale Krise, und die Regierung behandelt sie auch als solche", erklärte Gesundheitsminister Atonio Lalabalavu. Bereits im Januar 2025 war die Situation als Epidemie eingestuft worden. Nun sieht die Regierung eine koordinierte Reaktion verschiedener staatlicher Stellen als notwendig an.
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Mehr als 2000 neue Diagnosen
Wie schnell sich die Lage verschärft hat, zeigen die jüngsten Zahlen. 2025 wurden 2016 neue HIV-Diagnosen registriert. Das waren 16-mal so viele wie noch 2019. Unaids zufolge standen bei Fällen mit bekanntem Übertragungsweg mehr als die Hälfte mit sexueller Übertragung und über 42 Prozent mit intravenösem Drogenkonsum in Zusammenhang.
Nach weiteren Unaids-Daten lebten 2025 schätzungsweise rund 9000 Menschen mit HIV in Fidschi, das weniger als eine Million Einwohner zählt. Besonders problematisch: Nur 39 Prozent der Betroffenen wussten demnach von ihrer Infektion, lediglich 22 Prozent erhielten eine antiretrovirale Therapie.
Auch bei Schwangeren zeigt sich die Krise. Rund zwei von 100 schwangeren Frauen leben mit HIV. 2025 kamen 59 Babys mit dem Virus zur Welt, 18 von ihnen starben noch vor ihrem ersten Geburtstag. HIV kann während der Schwangerschaft, bei der Geburt oder beim Stillen von der Mutter auf das Kind übertragen werden.
Drogenkonsum als Faktor
Eine Ursache für die Entwicklung sehen Fachleute im zunehmenden intravenösen Drogenkonsum. Nach Angaben der Unaids-Landesdirektorin in Fidschi begannen die Übertragungsraten etwa ab 2019 deutlich anzusteigen. Besonders betroffen seien Menschen, die Drogen spritzen, darunter auch Personen aus dem Sexgewerbe.
Dabei spielt auch Fidschis Lage im Pazifik eine Rolle. Inselstaaten der Region dienen seit Jahren als Transitpunkte für Drogen aus Lateinamerika und Asien auf dem Weg nach Australien und Neuseeland. Methamphetamin und Kokain gelangen dabei zunehmend auch auf den lokalen Markt.
Tests und Behandlungen ausgebaut
Die Regierung reagiert mit zusätzlichen HIV-Tests, Präventionsangeboten und kostenlosen Behandlungen. Dazu gehören Schnelltests, vorbeugende Medikamente für Menschen mit erhöhtem Infektionsrisiko sowie Angebote zur Schadensminderung für Menschen, die Drogen spritzen. Auch die Abgabe sauberer Spritzen und Nadeln soll ausgebaut werden.
Gesundheitsminister Lalabalavu betont zudem, dass die höhere Zahl festgestellter Infektionen teilweise auch darauf zurückzuführen sei, dass inzwischen mehr Menschen getestet werden. Gleichzeitig will die Regierung gegen die weiterhin verbreitete Stigmatisierung von Menschen mit HIV vorgehen.
"Ein Aufruf zum Handeln, nicht zur Angst"
Unaids-Direktor Eamonn Murphy warnt deshalb vor Panik. HIV werde nicht durch alltäglichen Kontakt übertragen. Menschen mit einer wirksamen Therapie und einer nicht nachweisbaren Viruslast übertragen HIV beim Sex nicht weiter. Die Ausrufung des Notstands sei deshalb vor allem "ein Aufruf zum Handeln, nicht zur Angst".
Unaids-Chefin Winnie Byanyima sieht die Entwicklung in Fidschi zugleich als Warnsignal über den Inselstaat hinaus: Die Situation erinnere die Welt daran, dass Aids noch nicht überwunden sei.
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